Mich reizt das so sehr, dass ich vom Surfen träume. Ich gehe die Schritte durch …ist das eine Welle, die ich kriegen kann? Paddeln. Paddeln. Wenn du denkst, dass du genug paddelst, paddel weiter!!! Ist Gesetz und ich kann das bestätigen. Robbe. Arsch hoch. Nicht nach unten gucken. Und hoch. Und Zeit nehmen!!! Du hast Zeit. Glaubt man am Anfang nicht. Und stehen. Ich will das heute machen. Es ist schon zwei Tage her! So geht das nicht. Ich brauche das.
Ich laufe zum Wagen der Surfschule, die direkt am Strand neben den Fressbuden parkt. Der Surflehrer begrüßt mich mit Namen. Nicht viel los. Nebensaison. Ich frage, ob es sich für mich lohnt, als Anfänger, heute mal alleine zu üben. Ich will das immer gar nicht surfen nennen. Dafür müsste ich ja stehen. Er ruft einen Typen, den er von weitem sieht, zu uns. Ein alter Hase und Local. Er fragt ihn, wie die Wellen heute sind und wo ich ohne Stress üben kann. Er zeigt mir einen Spot an diesem langen und wunderschönen Strand. Er meinte, dass mir da nichts passieren kann. Super. Dann her mit dem Wetsuit und dem Brett. Discount ohne Ende. Nebensaison und weil ich schon eine Surflesson hatte. Ich bekomme noch ein paar Ansagen. Aye Aye. Ich schleppe das Brett 5 Minuten zu dem empfohlenen Spot. Tasche bleibt am Strand. Neuseeland ist sicher. Fett Sonnencreme ins Gesicht. Zink-Creme in Pink. Ich bin jetzt schon glücklich. Komisches Gefühl alleine zu sein. Jetzt wird mir nicht gezeigt, welche Welle ich nehmen kann. Das muss ich alleine rausbekommen. Ein Gefühl dafür zu bekommen, wann man anfängt zu paddeln. Bis man vor Erschöpfung seinen Arsch nicht mehr hochbekommt. Viele Wellen verpasst du. Jetzt verstehe ich auch, warum viele Surfer auf ihren Brettern im Wasser sitzen und warten. Jetzt bin ich eine von ihnen. Und dann bist du froh, die Welle erkannt zu haben und fängst an zu denken. Mach das nicht.
Neben mir ein älterer Herr im Wasser, der auch auf die Wellen wartet. Ich versuche mir ein bisschen abzugucken. Ein Gefühl für den Pazifik zu bekommen. Wenig Menschen im Wasser. Generell ist der Ort leer. So angenehm. Ein Stück Pazifik für mich alleine. Luxus.
Ich stürze. Und stürze. Zu langsam oder zu spät gepaddelt. Kräfte schwinden. Aber ich gebe nicht auf. Ich liebe es. Ich rede laut mit mir: ‘Paddeln! Paddeln! Paddeln! Los!’ Nose Diving praktiziere ich jetzt auch. Wenn du zu weit vorne auf dem Brett liegst. Und wenn dich die Welle erwischt, dann machst du einen Salto. Unangenehm. Macht keinen Spaß.
Ich vergesse auch, ob ich schon stand. Ich nenne es Surfdemenz. Ich mache einfach weiter. Ich weiß genau, dass ich die Hände nicht in der Mitte vom Brett hatte, als ich die Robbe gemacht habe. Fehler. Du wirst stürzen. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal.
Gefühlt 10 Minuten im Wasser. Aber ich vergewissere mich besser. Neben mir eine Surferin. Ich frage sie nach der Zeit. What? Ich bin schon 1,5h im Wasser. Kann ich kaum glauben. Ich gehe raus. Bisschen beleidigt. Der Surflehrer, der heute eine Stunde hatte und am Strand mit seinen Schülern steht, sieht mich und ich gebe ihm zu verstehen, dass ich komme. Gemietet habe ich das Equipment für 1h. Interessiert aber keinen. Aber nach dieser Unterrichtsstunde hat er Feierabend. Also muss ich auch raus. Das Brett sollte am besten ohne Sand zurück. Also muss ich dieses Monster 5 Minuten tragen. Nass. Also nicht in den Sand stellen. Ich komme an meine Grenzen. Dazu mein Rucksack. Aber ich strahle. Ich stand, glaube ich, 3 Mal und wenige Sekunden. Aber ich habe ein besseres Gefühl für die Wellen bekommen und wann ich anfangen muss zu paddeln. Ich bekomme auch nochmal die Bestätigung vom Lehrer, dass die Wellen nicht optimal sind. Diese Woche sind wenig Surfer unterwegs. Aber für Anfänger, wie mich, ist es gut zum Üben.
Es ist so ein gutes Gefühl, keinen Wert darauf zu legen, ob man gut in einer Sache ist. Sondern einfach Spaß hat. Man ist mit dem Brett und dem Meer zusammen und hat eine gute Zeit. Nichts lenkt einen ab. Das macht was mit mir. Mein Surflehrer erzählte mir, dass in seiner Heimat UK Ärzte bei Depressionen Surfstunden auf Rezept ausschreiben. Und er unterrichtete Menschen mit traumatischen Lebenserfahrungen. Denen es danach besser ging. Das Meer und surfen in Kombination muss heilend sein. Bei mir wirkt es auch. Und ich nenne es bei mir noch nicht surfen. Eher mit einem Brett im Pazifik planschen.
Morgen nochmal. Und nochmal und nochmal …gibt es ein Ziel? Nein. Eine gute Zeit mit mir. Das ist jedes Mal garantiert. Und ein außergewöhnliches Körpergefühl und meiner Seele geht es danach besser und ich bin selig. Reicht doch. Frau Klamm hat das Surfen entdeckt.