Ankunft Neuseeland. Auckland. 4 Tage Hostel. Ich bin selig, denn ich hatte in Sydney drei Tage ein Hotelzimmer für mich alleine. Großes Bett, weiße Bettwäsche, fetter TV-Screen, ein Badezimmer für mich alleine …Könnt ihr euch das vorstellen? Check. Jetzt darf es gerne wieder ein Hostel sein. Gemischtes Zimmer. D.h. ‘Männer’ und ‘Frauen’. Bisher war ich immer die einzige ‘Frau’ in diesen gemischten Zimmern. Stadt heißt bei mir mittlerweile Fokus auf Museumsbesuche. Kultur, Kultur und mein Anthropologie-Selbststudium fortsetzen. Und gucken, wie es weitergeht. Erstmal abchecken, wie so ein Land tickt. Auch im Transport … Aber nach meiner Ankunft in Neuseeland habe ich schon gemerkt, wie routiniert ich bin. Ich stehe nicht mehr aufgeregt am Flughafen und denke mir: ’WOW! Und jetzt Neuseeland!’ Vielmehr muss ich morgens erstmal rausfinden, wo ich heute aufgewacht bin. Dieser kollektive Hype über Neuseeland, der ja schon immer mitschwingt, ist bei mir (noch!) nicht da. ‚Ach, da will ich mal hin. Mein Traumziel! Da soll es so wunderschön sein!, ‘Eines Tages eine Rundreise in Neuseeland!’, aber erst, wenn man die Zeit dafür findet. Irgendwann! Ist das vor oder nach der Krebsdiagnose? Ja, und Geld ist ja auch nötig. Ich weiß. Und diese Wichtelphantasiehobbitrotzfülme haben dem Tourismus den Rest gegeben. Ich weiß nichts über Neuseeland und ich stehe dazu. Hat mir in Australien auch nicht geschadet. Im Gegenteil. Da ich gar kein Konzept habe oder irgendwas sehen will …gehe ich halt so ran: ‘Wo kann ich surfen? Da starte ich!’ Der erste Stopp steht also fest: Mount Maunganui. Der Bus fährt nur bis zur Nachbarstadt Tauranga. Früher hätte ich mir überlegt, ob ich dann überhaupt dahin fahre. Jetzt buche ich einfach und denke: Irgendwie komme ich da schon hin! Trampen, Taxi oder …. Ich werde das vor Ort herausfinden.
Erst einmal einfach starten und dann wird das schon. Nicht so lange herumrätseln, machen! Entscheiden! Der Rest kommt. Ich habe mich gegen ein eigenes Auto und Van entschieden. Zu teuer. Und wenn du nur ein Auto hast, musst du auch Unterkunft zahlen und ein Van kostet keine 17 EUR pro Tag, sag ich euch! Zu zweit erschwinglich und vielleicht auch mehr Spaß. Einen Van kaufen, was man hier easy machen kann, weil alle jungen Traveller ihre Autos loswerden wollen – lohnt sich für mich nicht. Ich nehme das Flexiticket vom Busnetz. Ich starte mal auf der Nordinsel und kann mich ja immer noch für ein Auto entscheiden.
In Auckland is jetzt nichts ufregendes. Ich habe aber einen Ausflug auf eine Insel aka Vulkan gemacht: Rangitoto. Da ist nichts. Nur Vulkan. Kein Mülleimer, kein Konsum, ein Loch als Klo. Also dementsprechend ist der Andrang. Früher mal Ferienparadies, jetzt mit mehr Auflagen und alles kontrolliert. Fein gemacht Frau Klamm. Allein allein. 4h Wanderweg zeigt mir meine App an. Der Vulkan soll nicht mehr aktiv sein, aber ich spiele ja auch Lotto! Und glaube an Zufälle! 40 Menschen steigen vom Boot. Alle laufen nach rechts? Warum? Ich nach links. 3h wandere ich alleine auf dem Vulkan.
Danach kommen mir die ersten Menschen entgegen. Ich hetze immer ein bisschen auf diesen unbekannten Wegen, weil ich immer denke, dass ich den Weg nicht schaffe, und in diesem Fall fährt das Boot um 13:30, 14:30 und 15:30 Uhr zurück nach Auckland. Danach muss ich schwimmen. Das steht auch so auf der Website. Surfen wäre kein Problem. Aber schwimmen?
Und dann steht natürlich noch das Auckland Museum an. ChatGPT hat mir eine Veranstaltung empfohlen, die mir auf der Website nicht aufgefallen ist: Māori Cultural Experience. Indigene Künstler und Redner zeigen den Besuchern eine kurze Einführung in die Māori-Kultur. Gebucht. Ich werde 6h in diesem Museum verbringen. Zwei Tee- und Kuchen-Pausen inkl.! Dieser Vortrag war ein guter Start. Und auch bewegend. Der Haka am Anfang war schon gruselig. Ja, klar. Zweimal am Tag und das ganze Jahr. Aber ich finde es ok und wichtig. Und der Ort, also das Museum, ist genau der richtige Ort dafür. Authentisch und wichtig für die Aufklärung! Und jetzt nochmal eine neue Kultur. Wer war wo zuerst? Wem gehört was? Wie wird damit umgegangen? Wie sind die Konzepte? Nach einem Tag Museum und der Geschichte Neuseelands verbringe ich am nächsten Tag in der Zentralbibliothek und ziehe mir Dokumentationen zu diesem Thema rein. Einmal alles! Ich buche vor Ort meine erste Route und gucke schon mal nach Orten, wo man noch ein bisschen mehr von der Māori-Kultur und Geschichte sehen und erleben kann. Denn Strand, Wald und Klippen auf Dauer kanns jetzt auch nicht sein. Wusstet ihr, dass NZ (Neuseeland) drei Amtssprachen hat? Englisch, Te Reo Māori (Sprache der Māori) seit 1987 und …..jetzt kommts! Die neuseeländische Gebärdensprache (NZSL) seit 2006. Europa, was geht so bei euch auf diesem Gebiet?
Die Neuseeländer sind auch so scheiße herzlich und nett. Ekelhaft. TOP 3 also bisher – was ich beurteilen kann: 1. Australier 2. Neuseeländer 3. Kanadier. Japan ist raus. Alles Show und antrainiert. Sorry.
ChatGPT sucht mir wenige Orte in NZ raus, wo ich der Māori-Kultur noch näher kommen kann. Ok, also geht es nach meiner Surfstation nach Rotorua. Die Entfernung lässt mich schmunzeln. 1h mit dem Bus. Süß. NZ hab ich dann och in 3,5 Wochen durch. Eine Kroatin (43!!!) hat mir sehr ans Herz gelegt Fiji zu besuchen. Ihr vertraue ich. Sie reist auch seit Jahren und keine Standardtraveltrulla. Na, schauen wir mal. Sie hat sich herzlich für das Gespräch mit mir bedankt: ‘Leute wie dich trifft man selten in diesen Hostels!’ Danke. Ach wie lieb. Aber wo sind wir denn zu finden? Da muss ich einchecken!
4 Tage und 3 Nächte Auckland und dann ist auch gut. Ich mache mich auf dem Weg zum ZOB …nicht schon 30 Minuten vorher, wie ‘früher’, sondern ick bin 10 Minuten vorher da. Rin in den Bus, der leer ist. Es gibt noch ein Geschrei kurz vor Abfahrt. Ein Australier konnte das beobachten und berichtete mir, dass ein Backpacker mitfahren will, aber noch kein Ticket hat. Ich sage daraufhin, dass das definitiv kein Deutscher sein kann. Er musste lachen.
Die Landschaft ist schön. Also den Teil, den ich gemütlich aus dem Fenster erblicken konnte. Schweiz, Kanada, Mecklenburgische Seenplatte …Der Mix macht’s. Wir haben Verspätung und das ist mir egal. Ich hab Knast und google einen angeblich legendären Fish & Chips Laden wenige Meter von der Bushaltestelle, wo wir in einer Stunde rausgeschmissen werden. Und nach dem fetten knusprigen Fisch habe ich herausgefunden, dass ein Bus zu meinem kleinen Ort am Wasser fährt. Ich ahne und weiß nach meiner Recherche, dass man wieder so eine BVG-Karte braucht. Oder passend cash zahlen muss. Beides habe ich nicht. Ich steige übertrieben gut gelaunt in den Bus und wünsche einen schönen Tach! ‘Kreditkarte oder Cash?’ gröle ich fast schon und halte einen 20$-Schein hin und weiß, dass es nicht gewünscht ist. Manni winkt mich durch! Geht doch!
Was ein schönes Gefühl ist, dass ich keine Sorge mehr habe, irgendetwas zu verpassen oder mir Gedanken mache, wie ich noch besser reisen könnte. So ein Bullshit. Ich sags ja #Selbstgenügsamkeit. Es lebt sich so viel entspannter. Ich bin mit den Gedanken und mit dem Herz im Hier und Jetzt. Ich liebe es.
Wir fahren im Schneckentempo zur Halbinsel Mount Maunganui und wieder, wie überall. Eene Straße zum flanieren. Eisdielen. Campingplatz. Hotels, die den Blick auf die Natur versauen. Ich muss zugeben, dass das Meer und der Vulkan auf oder neben der Halbinsel echt beeindruckend sind. Ich habe mir noch am gleichen Tag für den nächsten Tag einen Surfkurs gebucht und als ich kurz mal nach einer Stunde und zig Versuchen auf dem Brett zu stehen verschnauft habe und einfach nur auf dem Brett lag, auf den Pazifik geguckt habe, war das ein sehr glücklicher Moment für mich. Neuseeland, das fängt gut an!