Also…damite maln bisgen mehr Sport machst, schenk ich Dir zu Dein Geburtstach…’n Surfbrett! Das ist übrigens das gleiche, was die Henne auch hat! Diese Szene aus dem Film ‘Kein Pardon’ ist bisher meine einzige Berührung mit einem Surfbrett gewesen. Und jetzt bin ich am, ach so legendären Bondi Beach, und habe mich für einen Surfkurs angemeldet. Ausprobieren! Machen! Nicht quatschen und überlegen, was man so machen kann. Das wird nichts! Ich also pünktlich und packe meine Klamotten in eine große Kiste und bekomme einen Wetsuit. Ist dit eng. Erinnert mich an den Stingersuit vom Schnorcheln. Aber der war nicht so dick. Darüber noch ein T-Shirt aus Plaste, das mich eindeutig als Surfschülerin erkennbar macht. Das Logo der Surfschule prangt jetzt fett auf meinem Bauch und Rücken: Let’s Go Surfing! Na, aber sowas von! Braune Zink-Sonnencreme so fett ins Gesicht geschmiert, dass ich es als #Blackfacing kommentiere. Mein toller Lehrer hat gelacht. Der Rest der Gruppe nicht. Er kommentierte daraufhin seine dunkle Haut und seine Wurzeln. Warum lacht keiner? Ich mag ihn sehr! Er bat uns sehr eindringlich, uns diese Zinkcreme ins Gesicht zu schmieren! Ich kannte das schon. Und ich unterschätze die Sonne in Australien nicht (mehr!!). Diese Creme ist extrem wasserfest, schließt die Poren und ist riff- und umweltfreundlich. Und die Beine nochmal mit 50+ LSF. Mehr ist immer besser. Und weiter? Nur ich und der Wetsuit. Barfuß. Und ab an den Strand zu den Brettern. Nix Smartphone oder Reisepass, wie in den letzten Monaten. Ungewohnt. Aber jetzt schon befreiend. Ich war die älteste in der Gruppe. Das ist nichts Neues mehr für mich. Die Bretter werden verteilt. Ich bekomme ein längeres und breiteres. Klar. Ich bin auch größer als alle. Auch nichts Neues. Erstmal dieses Brett schleppen. Dann Theorie. Was ist eine Strömung. Was ist eine Sandbank und was macht sie mit einer Welle? Wie verhalten, wenn ich von einer Welle mitgerissen werde. Keine Panik. Sieht eh scheiße aus. Hat Clueso schon festgestellt. Sensoren im Wasser lassen die Lifeguards wissen, wenn Haie in unsere Nähe kommen. Na dann ist ja gut! Was ist ein RIP? Ein Rip Current (auch Rippströmung) ist eine starke, schmale Meeresströmung, die vom Strand direkt ins offene Meer zieht. Sie entsteht, wenn Wellen Wasser an die Küste drücken und dieses Wasser durch eine Engstelle zurück ins Meer strömt. Rip Currents sind gefährlich, weil sie Schwimmer schnell aufs offene Meer hinausziehen können. Wer in eine solche Strömung gerät, sollte nicht dagegen anschwimmen, sondern parallel zum Strand, bis er die Strömung verlässt, und dann zurück ans Ufer schwimmen. Am Bondi Beach kannst du (fast) immer surfen! Daher ist er auch so beliebt. Jetzt im Sand rauf aufs Brett. Trockenübung. Boah, ich bin froh, Pilates seit Jahren zu praktizieren. Erstmal machst du die Robbe und dann Arsch hoch. Und dann auf beide Füße springen. Wir wiederholen das 20 Mal. Schönen Dank auch. Theoretisch alles machbar. Jetzt Surfbrett unter den Arm und rin ins Meer. Also aufs Brett legen und Zehen ans Ende. Der Lehrer hält das Brett und wartet die Welle ab und dann ’surfst‘ du mit der Welle …naja, also ich liege noch. Eigentlich sucht man sich die Welle selbst raus und muss dann erstmal paddeln, um die Welle zu ‘bekommen’. Aber wir sind ja ein Anfängerkurs. Also liege ich jetzt auf diesem Brett und surfe noch im Liegen. Wie, jetzt hoch? Scheiße. Ich habe aber das Gefühl genossen …von der Welle gepusht zu werden. Ich war völlig abgelenkt. Für das Aufstehen und Surfen war hier noch keine Zeit. Also nochmal. Wieder ins Meer zum Lehrer zu kommen war das anstrengendste. Gegen die Strömung und die Wellen. Aquafitness. Kein Scheiß. Und wieder aufs Brett. Aufstehen! Robbe. Knie hoch. Und dann auf beide Füße kommen/springen. Ja! Ist ja gut! Ich versuche es doch! Lasst mich! Ich mach’ das zum ersten Mal. Und nochmal und nochmal und nochmal …Ich bin erledigt. Vom Brett stürzen kann ich jetzt. Muss man auch üben. Immer rückwärts. Nicht kopfüber. Zu gefährlich, wenn es zu flach ist. Ich kann euch verraten, dass ich richtig Spaß hatte. Nicht eine Sekunde war ich beleidigt oder habe aufgegeben. Ich habe schnell begriffen, dass man nicht denken darf. Man geht die einzelnen Schritte, die man gelernt hat, durch und dann ist die Welle schon verloren. Einfach machen. Einfach Arsch hoch! Nicht denken! Es hat geklappt. Nicht, dass ich schon 10 Sekunden auf dem Brett stehen konnte, aber ich hatte beide Füße auf dem Brett! Stolz! Und dann wieder ins Wasser gefallen. Das Salz brannte in meinem Hals. Entkräftet. Unterschätzt man. Aber ich strahlte. Und übrigens, als ich meine Surferkollegen auf dem Brett stehen sah, applaudierte ich! Respekt. Und dann stellte sich heraus, dass das schon deren dritte Stunde ist. Sie beruhigten mich, dass sie nicht besser waren als ich in ihrer ersten Stunde. Interessant ist, dass ich nicht mit einem Wort irgendwie erwähnt habe, dass ich es beunruhigend finde, noch nicht auf dem Brett stehen zu können. Aber automatisch wirst du getröstet. So ein Bullshit. Aber ich nicke ab und sage: Na dann ist ja gut! Blah Blah Bullshit.

Mir hat Frischwasser noch nie so gut geschmeckt. Kurze Pause an den Wasserstationen am Strand. Und dann wieder rein! Ich war so müde, aber ich wollte weitermachen. So habe ich mich lange nicht mehr erlebt. Endlich! Und dann stand ich! 2 Sekunden und ich war meine eigene Heldin und der Surflehrer riss die Arme hoch! Stark. Nochmal nochmal nochmal! 

Und dann waren die 2 Stunden vorbei und ich war fix und fertig und so traurig. Ich wusste, dass ich das auf jeden Fall nochmal machen will! Ich saß dann selig am Strand und mein Körper meldete sich schon. Regionen in meinen Rücken, die ich noch nie gespürt habe. Blaue Flecken vom Brett schleppen. Es folgten noch zwei weitere Surfstunden und ich stand bis zu 8 Sekunden. Meine letzte Welle bei meiner dritten Surfstunde …ich wollte nochmal stehen. Ein schöner Abschluss. Der Muskelkater begleitet mich noch bis Neuseeland. Aber was heißt meine letzte Surfstunde. Ich habe mir schon Surferdokumentationen und Filme reingezogen. #TeamKellySlater. Ich sach’s euch! Und nicht einmal der Gedanke, dass ich ja Anfängerin bin und ich mir hier die Profis angucke. Is mir egal. Ich bin into it. Ich bin in Neuseeland angekommen und das erste, was ich gegoogelt habe, als ich mir einen Überblick über das Land gemacht habe und was man so angucken kann (4h Session in der Zentralbibliothek von Auckland), wo man hier surfen kann. Und meine erste Station wird auch ein SurfSpot sein. Das Hostel verleiht auch Surfbretter. Vielleicht auch das gleiche, was die Henne hat?! 

PS: Jetzt muss ich aber endlich mal den Film ‘Gefährliche Brandung’ gucken.