Lange nichts mehr geschrieben. Weil ich müde war und bin. Erschöpft von meinen Eindrücken. Geht das? Ja. Ich hatte keine Kraft zu schreiben. Ich war mitten in diesem wunderschönen Gefühl, dass ich nicht loslassen will. Ich so drin bin in meinem Genuss, dass ich es nicht loswerden, also aufschreiben wollte. Nicht, dass ich stöhne und Aufmerksamkeit brauche. Nein, ich verarbeite. Nicht mit Absicht. Meine Seele und Körper wollen es so. Und ich gebe mich dem Prozess hin. In Melaka fing alles an. Schlafen, schlafen, gutes Essen, Café, Lesen, nächstes Café, nochmal gutes Essen, Café …und ein bisschen shoppen und flanieren. Stadtfeste besuchen …ich war gut beschäftigt. Melaka ist aber auch echt ein HotSpot für Malaien. Alle kommen freitags in die Stadt und es wird gegessen und genossen. Am Wochenende ist es so knackevoll. Zimmerpreise gehen ab Freitag hoch. Und ich träume von meiner Reise ….ich bin so sehr in meiner Freiheit, die ich mir geschaffen habe. Ich wollte immer auf Sicherheit scheißen, die mich gelähmt hat. Check. Ich wollte ins Machen kommen. Check. Ich wollte mir Optionen schaffen. Check. Ich gehe durch meine Fotos. Hab ich nie gemacht. Ich plumpse mich in die Stühle und Bänke der Cafés und komme nicht mehr hoch. Zwischendurch die berühmten Pandan Pancakes. Mampf. ‘You are still here?’,werde ich von der Besitzerin meines Stammcafés in Melaka gefragt. Ich bekomme nach meinem Matcha-Latte Iced immer ein eiskaltes Wasser mit Eiswürfel und Zitrone. Heute ist es besondern heiß. Danke. Wir haben uns eingespielt. Ja! Meine Hood. Ich spiele Einheimische. Ich setze mich einfach in eine Seitenstraße, in ein kleines Restaurant – direkt über einem stinkenden Abwasserkanal. Man nennt das hier „Essen über longkang“ – ein malaiischer Ausdruck für Restaurants, die über dem offenen Abfluss stehen. Soll es mir doch oben und unten rauskommen. Ich habe ein Hotelzimmer. Ich will das ausprobieren. Es wechselt zweimal mein Kellner, weil keiner mich versteht. Muss man auch nicht. Irgendwann haben wir uns für eine Suppe entschieden. Und ein Limettenwasser. Neben mir nur Einheimische, die genau wissen, was sie hier essen wollen. Aber zu der schlecht gelaunten Chinesin gehe ich trotzdem regelmäßig zum Essen – einmal war ich zu spät. Nix mehr da. Das war schon enttäuschend. Beste Laksa. Am letzten Tag habe ich sogar ein Lächeln bekommen. Es ist jeden Tag einfach nur heiß. Die Läden schließen zwischen 16 und 18 Uhr. Danach ist der Tag durch. Shopping Malls und ein paar Restaurants haben noch auf, aber ansonsten wird gebetet und mit der Familie verbracht. Kann mir ja nicht passieren. Irgendwann entscheide ich mich, weiterzuziehen. Ich will ans Wasser und schwimmen. Das fehlt mir. Ich entscheide mich, an die Westküste zu fahren. Bus, Bus und dann nochmal Bus. Wenige Pfennige kosten die Fahrten bis zu 2 Stunden Fahrt. Ich komme an einen Ort, an dem ich plötzlich die Einzige bin, die nicht dazugehört – 99,98 % muslimisch, spürbar. Nix Backpacker und Touristen aus Europa, Afrika, Australien und Amerika. Ich werde angestarrt. Richtig unangenehm. Es bedrückt mich. Die Männer glotzen. Und die Frauen aus den Restaurants und Buden lächeln und winken. Ich checke in eine Betonröhre, die als Zimmer umgebaut ist, ein.

Toilette und Dusche inklusive.

Irgendwie ist alles anders und nicht mehr in meiner Komfortzone. Kann ich eigentlich. Aber hier komme ich an meine Grenzen. Das Schwimmen am Morgen und abends wird zu einer unangenehmen Aktion. Ich vergleiche es natürlich mit meiner Erfahrung auf der Tioman Insel. Alle sind hier mit Hijab, Burqa, Niqab oder Chador unterwegs. Ich trage eine lange Hose und keinen kurzen Rock. Das schon seit Anfang an in Malaysia. Ich schwimme mit Bikini. Ich falle auf. In das Wasser gehen und wieder rauskommen. Einfach nicht mehr ohne Denken und gesehen werden. Scheiße. Ich fühle mich nicht wohl. Ich bin außerhalb des lokalen kulturellen Rahmens. Fremdheitserfahrung. Das macht was mit mir. Beim Essen im Restaurant ist die Bude voll mit männlichen Jugendlichen. Tausende von Roller stehen rum. Alle kommen aus den Dörfern ans Meer gefahren. Das Wochenende hat begonnen. Foodtrucks am Strand. Ich werde angeglotzt. Es ist offensichtlich. Wenn Frauen hier essen, dann verhüllt und mit Ihren Ehemännern oder Familien. Ich bin allein und nicht verhüllt. Das ist hier kein Ort, wo man andere Kulturen alltäglich sieht? Ich habe die kulturellen Unterschiede richtig gespürt. Ich bin hier die Fremde. Und dann auch noch alleine. Hätte ich das mit einer Reisebegleitung eher verarbeiten können und wäre geblieben? Ich habe mich willkommen gefühlt und ich war auch nicht ausgestoßen. Intensive Erfahrung. Das vergesse ich nicht. Und dann wird es noch beschissener. Ich checke zwei Nächte vorher aus. Vor 7 Monaten hätte ich noch durchgezogen. Warum auch immer?! Aber ich will weg. Warten in der Sonne auf den Bus, der natürlich nicht pünktlich kommt. In den Bus mit meinem Gepäck. Voll. Eng. Blicke. Männer. Es wird gegafft. Ok, ich bin nicht von hier. Ok, das verstehe ich. Ich werde auf einer der drei Busfahrten von dem Mann hinter mir an den Haaren angefasst und belästigt. Ich kann mich wehren und sage laut: NEIN! Ich muss das mehrmals klarstellen. Der Busfahrer schaltet sich ein. Alle gaffen, was da los ist. Ich kann die ganze Busfahrt nicht mehr entspannen. Wie auch. Ich will einfach nur ankommen – aber statt Ruhe gibt es Blicke, Berührungen, Enge. Ich bin nicht in Gefahr, aber ich bin auch nicht in Frieden. Schrecklich. Die letzte Busfahrt Richtung Kuala Lumpur. Ich nehme die U-Bahn nach Chinatown und es gibt eigene Waggons nur für Frauen. Und jede Station kommt ein Polizist in das Abteil und checkt, ob alles in Ordnung ist. Das gibt mir den Rest. Also es scheint nötig zu sein. 

Ich kann den Rucksack nicht mehr tragen. Falsche Hostel angesteuert. Prima. Ich baue ab. Es klang so ähnlich. Aus dem ersten Hostel, wo meine Daten gecheckt wurden – musste ich kurz in der Bibliothek warten, habe ich mir ein Buch mitgenommen. Perfekt. Und dann nochmal 10 Minuten durch die Massen laufen und 38 Grad zu meinem Hostel, das ich nun wirklich gebucht hatte. Durch Little India, wo meine Erfahrung mit dem Gaffen auch nicht endete. Gaffen ist ok, aber anmachen und näher kommen. Nein. Dieser kurze Ausflug an die Küste war ein Reinfall und ich habe so viel gespürt und gelernt. Das nimmt mich mit. Jetzt bin ich in einer Großstadt und ich bin eine von Millionen. Ich falle nicht auf. Dieser Kontrast. Bin ich geflohen? Hätte ich das aushalten müssen oder können? Nein, aber ich finde ich schade, dass ich weiterziehen musste, weil ich dort nicht sein konnte – ungestört. Also bewege ich mich doch auf Wegen auf meiner Reise, wo Touristen existieren können. Ich beschließe, dass das allein sein dieses Mal entscheidend war. Hier wäre ein Travelbuddy eine gute Gesellschaft gewesen.

Jetzt bin ich in einem Safespace. In einem Hostel im Zentrum. Pool, eine Schlafbox für mich allein und viel Raum, um zu chillen. Perfekt gebucht. Heiß ist es immer noch. Ich kann mich daran einfach nicht gewöhnen. Ich verlängere gleich auf zwei Wochen. Hier bleibe ich und bewege mich nur noch zu Cafés und Shopping Malls.

Ich liebe es nicht, aber es ist so schön kühl.

Und es werden tolle Tage. Routine sind meine Bahnen im Pool nach 22 Uhr im Hinterhof vom Hostel unter freiem Himmel. Frühstück im Café nebenan. Der English Breakfast Tea ist hier der beste. Ich teste mich durch die Frühstücke aus Südostasien. Das thailändische Frühstück finde ich richtig lecker. So simpel. Es gibt nicht das eine typische Thaifrühstück. Aber das hier ist Omelette auf Reis und Essig, Zwiebeln und Zitronensaft. Lecker. Die Kombination aus Zwiebeln, Chilli (Schärfe) Zitronensaft hat es mir angetan. So erfrischend. Das wird fest in meiner Ernährungspyramide aufgenommen.

In diesen Tagen entscheide ich mich, dass meine nächsten Stationen nicht die Nachbarländer in Südostasien sind. Ich mag nicht mehr. Ich will frisch und hellwach nochmal zurück. Ich bin definitiv angefixt  – Thailand, Laos & Co. zu entdecken. Aber nicht mehr heute. Und ich werde definitiv anders packen. Ich sachs euch. 10 Liter Rucksack reicht bei der Hitze. Und das Essen werde ich vermissen und darauf freue ich mich am meisten, wenn ich zurückkomme. Ich habe entschieden: Ich werde einen Freund in Namibia, Afrika besuchen. Jahre nicht gesehen und nur WhatsApp Video Calls. Ich habe Bock auf gute Gesellschaft und wenn ich schon in der Nähe bin. Und dann ist es vorbei – denn mir geht mein Budget aus. Ich muss mir Geld besorgen. Wie? Noch keinen Plan. Und meine Wohnung habe ich auch noch ein weiteres Jahr untervermietet. In Südostasien wäre ich mit meinem Restbudget noch ein paar Monaten durchgekommen, aber ich mache das, was mir gut tut und nicht, was das richtige oder logischste wäre. 

Aber erstmal Kuala Lumpur (KL) aufsaugen. Die Matcha-Latte bringen mich in die Lage, dass mein Tagesrhythmus richtig durcheinander ist. 3 Tage wach. Egal. Ich schreibe die Djane an, die ich in Kluang auf dem Bahnhofsklo kennengelernt habe. Sie legt oft in KL auf und ich frage, ob sie Lust hat, sich zu treffen. Zeit für ein Date hat sie nicht. Aber ich kann gerne zu ihrem Gig im Club kommen. Gerne! Und ab in die C-Zone von KL. Mit dem Grab (Dem Uber von Südostasien). Eine kleine Stadt mit Clubs. Chinesen. Gefeiert wird von 18 bis 3 Uhr. Dann ist Feierabend. Es wird sich abgeschossen. Wer trinkt und besoffen ist, zeigt, dass er sich es leisten kann.Typisch chinesische Kultur. Auch bei den Outdoor-Outfits. Das hatten wir schon als Thema. Es werden alkoholische Getränke in großen Flaschen bestellt, die dann von leicht bekleideten Kellnerinnen an die Tische, die man sich reservieren muss, mit einem Tänzchen gebracht werden. Irgendwie sowas von 90er und prollig. Jeder Tisch hat zwei ‘Aufpasser’. Man schenkt nach oder öffnet die Zigarettenschachtel, die auch an den Tisch bestellt wird. Skurril. Ja, es wird geraucht. Aber die Jugend sitzt auch gelangweilt an den reservierten Tischen und spielt am Handy. Getanzt wird nicht. Die Tanzfläche ist abgesperrt. Ich frage meine Gastgeberin, warum keiner tanzt? Geht gleich los, meinte sie. Besonders, wenn sie loslegt. Ich sitze hinter dem DJ-Pult und beobachte. Vor 25 Jahren hätte ich alles gegeben, neben den DJs und der Entourage zu sitzen. Jetzt hat es keine Bedeutung mehr für mich. Ich bekomme Wasserflaschen in die Hand gedrückt – VIP-Bändchen. Ich hebe das Durchschnittsalter und diese Party hatte einen Dresscode: Pyjama-Party. Ich hatte meine Koala-Schlafmaske aus Australien als Stirnband und mein Hemd, was definitiv wie ein Nachthemd aussieht, als Outfit zusammengestellt. Perfekt. Als meine DJ-Freundin mit ihrer Partnerin loslegt, wird es wild. Boooom! Sie rockt auf der Box. Die Masse fängt endlich an, sich zu bewegen. Ich wippe mit und bin einfach müde. Trotz Matcha-Latte Überdosis. Der Qualm und die Lautstärke – Nein, Danke! Wir verabschieden uns und sie bedankt sich, dass ich aus Europa mal mit dabei war und ihre Show gesehen habe. Ich habe zu danken. Und ich habe auch eine neue Playlist mit guter Musik. 

Die Menge tobt. Und meine Teletubbies sind auch dabei.

KL wird mein kleines Paradies. Ich streife durch die Märkte, (fr)esse mich durch die Kulinarik. Indisch ist immer noch nicht so einfach für mich. Aber ansonsten stopfe ich. Die Augen tränen. Krank werden ist hier schwer. Alles wird durchgefeuert. Buchläden, Bibliotheken, Cafés. Socialising ist gerade nicht mehr meins. Bücher, YouTube und Musik. Und viel Pool und Schlaf. Und ich gönne mir Haferflocken, mit Nüssen und Joghurt. Im Supermarkt gekauft. Mal wieder etwas selbst zubereiten. In Südostasien eigentlich nicht nötig. Aber ich will mein Frühstück am Pool essen und dabei lesen. Paradies 100%. Ich verrate euch, dass zu dem Hostel ein Café gehört, das im Erdgeschoss ist und die Gäste können am Pool sitzen. Also bin ich manchmal auch meine Bahnen geschwommen, als die Gäste ihre Drinks geschlürft haben. Dieses Café ist ein Instagram Hot Spots. Da haben mich schon die Bewertungen auf Booking.com vorgewarnt. Stundenlang Fotoshooting. Der Latte ist schon kalt. Das Essen wird nur fotografiert und nicht gegessen. Und dann wird retuschiert, bis die Person auf diesen Fotos nicht mehr wiederzuerkennen ist. Ich bin Gast im Hostel und konnte aus erster Reihe das Verhalten dieses Insta-Zirkus beobachten. 

Abends schwimme ich meine Bahnen. Allein allein …

Ich fühle mich wohl. Ich habe keinen Druck mehr, irgendwas zu erleben. Ich lebe jetzt in KL und gestalte meine Tage, wie ich will. Einmal dachte ich, dass mich Covid erwischt hat. Wäre kein Wunder bei diesen Massen von Menschen. Also einen Test aus der Apotheke für 0,34 EUR. Nur ein Streifen. Ok, Schongang und Suppe. Sooooo scharf. Ätz die Viren weg, tu’s einfach. Hat geklappt. Knapp 10 Monate und kerngesund. Top! Keine Unfälle oder Haibisse. 

Sightseeing habe ich auch gemacht. Is klar. Was halt bei der Hitze erträglich ist.

Und jetzt verrate ich meine Backpacker-Community, denn ich habe mir einen Rollkoffer gekauft. Wenn mein Gepäck über 20 Stunden unterwegs nach Afrika ist, dann wird das mein Rucksack nicht aushalten. Es baumelt ja nur noch so an diesem treuen Begleiter. Handtücher, Wanderstöcke, Birkenstocks, Wäscheleine, Trinkflasche. Alles gestopft. Ich bringe meinem Freund und der Familie noch Kosmetik und Durian-Schokolade mit. Ich kaufe also einen Rollkoffer und kaufe noch zwei T-Shirts. Hier in Malaysia sind Material- und Pflegeetiketten nicht so wichtig. Ich fühle ein bisschen Baumwolle. Gekauft. Es gibt hier Nachtmärkte, wo ich mich mit CHANEL und Louis Vuitton einkleiden könnte und mein Budget würde nicht gesprengt. Ich genieße es, diese Luxusmarken auf diesen Klapptischen zu sehen. Aber ich habe nicht das Verlangen zuzugreifen. Die Touristen stehen Schlange. Ich bleibe bei den Basics. Socken kaufe ich nach. Irgendwie habe ich einen hohen Verschleiß. Und die Waschmaschine schluckt sie nicht. Löcher. Ich bin dann doch viel unterwegs? Sie sind aus 90% Baumwolle! Darauf achte ich. Eine sehr schöne Begegnung habe ich dann doch in meinem Hostel. Ich sehe jemanden in der kleinen Hostelküche kochen. Ich kommentiere das natürlich. Ich mag diese Person sofort. Wir haben ein paar schöne Abende mit tollen Gesprächen in der heißen Küche und im Pool. Er schreibt ein Buch und ist gerade im Hostel zu Hause. Das Leben war nicht so gut zu ihm. Seine Familie hat ihn rausgeschmissen. Die Pandemie hat ihm den Rest gegeben. Aber er wird sich aufrappeln und dann wieder zurück nach Europa gehen, wo er 27 Jahre gelebt hat. Dafür muss er aber erstmal wieder Geld sparen. Intelligent ist er und er stellt mir die Frage, woher ich mein Selbstbewusstsein nehme. Oh, äh?! Die Reise und Entscheidung alles einfach mal nicht mehr so weiterlaufen zu lassen war wichtig und ich sehe in allem den Humor. Wenn ich mich mit meinen ersten Monaten vergleiche, dann nehme ich nichts mehr schwer und so ernst. Was habe ich mich noch vor einem Jahr wichtig genommen. Mir wird schwindelig, wenn ich daran denke. Komm runter, Mausi. Mach dein Ding und kümmere dich um deinen eigenen Scheiß. Und dann sagt er noch einen guten Satz in einer der vielen Sessions: Ich habe keine Zeit zu urteilen. Weil wir das Thema hatten, wie man mit Menschen umgeht, die einen reizen oder mit denen man einfach nicht klarkommt. Kuala Lumpur, ich hatte eine richtig gute Zeit mit dir. Unvergessen. Auf nach Afrika.