Von den Blue Mountains wieder in die Stadt Sydney. Ne. Kein Bock! Flug nach Neuseeland ist am 23.3.2025 geplant. Am 25.3.2025 muss ich offiziell aus Australien ausreisen. Und nun? Alle haben mich 3 Monate mit diesem Bondi Beach zugetextet. Na dann! Wie und wo kann man da jünstig leben? Im Bondi Backpacker Hostel. Gebucht. Also mit dem Zug wieder 2h ins Centre Ville von Sydney. Is ja jetzt schon meine Hood. Teechen und meine letzte Kippe. Ja, ich habe aufgehört. Tabak war alle und jetzt ist Pause angesagt. Ich lasse euch wissen, wann ich wieder anfange. In Neuseeland genauso verpönt und teuer wie in Australien. Ich muss gleich den Bus nehmen. 40 Minuten zum Strand. Ich genieße meine letzte Kippe und Teechen unter den Massen. Neben mir mein Backpackerzeugs. Auf einmal steht jemand vor mir und grinst. Was isn mit dir los? Ein junger und hübscher Junge. Ok, Mann. Er freut sich. Ich noch nicht. Überfall? Bettler? Ich brauche mindestens 5 Sekunden. Er ist geduldig. Jetzt habe ich es! Der kleine Italiener aus einem Hostel in Sydney. Wir trafen uns im Waschraum. Er sprach mich direkt an und fragte, wie man die Waschmaschine bedient und wo das Waschpulver reinkommt. Er hatte statt Waschpulver 5 l Weichspüler gekauft. Und ich habe ihm gebeichtet, dass ich das Waschpulver noch nie in die dafür vorgesehene Schublade getan habe. Immer gleich in die Trommel. So jung und so süß. Er will Geld verdienen und ist jetzt Pizzabäcker in einem italienischen Restaurant. Als ob wir uns Jahre kennen, hängen wir auf der Parkbank ab. Wir kommen auf das Thema Surfen und dass er an seinen freien Tagen am Bondi Beach surfen geht. Was habe ich verpasst? Ich werde es noch erfahren. Nach 20 Minuten wünschen wir uns ein schönes Leben. Ich kann nicht mehr mitzählen, wie viele Begegnungen ich hatte. Es ist wie ein Fließband. Manche Begegnungen blitzen manchmal sogar jetzt schon in meinem Hirn auf. So viele unterschiedliche Kulturen, Charaktere und Weltanschauungen. Der kleine Italiener und die Kurzanleitung ‘Wie wasche ich Wäsche?!’ und ich durfte es ihm zeigen. Bleibt in Erinnerung. Ich wuchte mich in den Bus. Sonne knallt. Die letzten Tage war es bissl regnerisch. Jetzt wieder Traumwetter für den Beach. Alles richtig gemacht. Wieder einmal. Timing Australien habe ich drauf. 10 Stationen vor DEM Beach wird es voll im Bus. Fashion Walk …Bikini, Shorts …Brüste raus. Yes! Auf MakeUp wird nicht verzichtet. Tote Bags prall voll mit Tüchern und Sonnenbrillen in allen Ausführungen. Ich ahne, was mich erwartet. Endstation Bondi Beach. Alles klar. Beverly Hills. Beach Boys – so Klischee, Surfer Girls. Nike/Apple-Imagespot. Ein bisschen Kardashianattitüde. Dazwischen Yoga-Anhänger und daneben die Pumper. Und ich! Massenwanderung. Der Strand voll. Davor, daneben, im Wasser. Alle 2 Sekunden sehe ich ein Surfbrett. Ich muss jetzt erstmal aus diesen Klamotten raus und mich von dem Gepäck befreien. Reisetage sind immer gleich. Packen. Schleppen. Abladen. Verstauen. Losleben. Mein Rucksack wiegt nur 14KG, ist eigentlich alles ok. 7KG wären geiler, aber ich lebe echt schon reduziert. Und das ist genau jetzt Thema in meinem nächsten Hostel im Bondi Paradies. Damit habe ich nicht gerechnet. Die letzten Monate bin ich in Hostels abgestiegen, wo es auch mal nicht so cool, komfortabel oder sauber war. Aber DAS hier in diesem Hostel – das war die Krönung. Lage Lage Lage! Wie beschreibe ich das, ohne dass ich arrogant oder gefrustet wirke. Ein Sauhaufen! 90er Jahre Interieur. Der Manager ist ein passiv-aggressiver Typ, der dann auch passive-aggressive Schilder im Hostel hängen hat. Man spürt bei ihm, dass er gerne nochmal 20 Jahre alt wäre, wie seine Gäste und hat aber irgendwie sein eigenes Glück nicht gefunden? Meine Vermutung. Er ist ja sooo beschäftigt. Das lässt er in seiner Körpersprache und seinen Kommentaren raushängen. Aber so richtig unsympathisch. Sei gefrustet. Aber dann bitte leise. Ich checke ein. Ich habe gerade keine andere Wahl, aber ich ahne es. In der Küche, die auf den Fotos bei booking.com anders aussah, sitzt die Jugend und ist jung und laut. Und immer und immer wieder muss ich mir sagen, dass ich das auch mal war. Sie haben ihre Zeit des Lebens. Und jeder soll das auch hören. Whoop! Whoop! Und in 9 Jahren sitzen sie an einem grauen Schreibtisch und auf einem ergonomischen Bürostuhl im Rathaus Bad Windsheim und erzählen die nächsten 20 Jahre von dem schönsten Strand auf die janze Welt. Ja, ja …Susi. Ich hoffe, es sitzt dir eine Person im Großraumbüro gegenüber, die dich fragt, wie viele Strände du schon in deinem Leben gesehen hast und du sagst: ‘Na, nur den Bondi Beach. Wieso?’ It’s Funny Because It’s True!

Ich gehe zu meinem Zimmer und komme an einer Graffitiwand aus den 90er Jahren vorbei. Haus der Jugend 1994 Berlin, Charlottenburg. Der Teppich ist so alt und dreckig. Das ist kein flauschiger Teppich, wo man versinkt, sondern das ist der Dreck. Überall hängen Badezeug und Handtücher zum Trocknen. Bald auch mein Zeugs! Die Toiletten auf dem Flur. 3 Klos und 3 Duschen für 35 Personen. Und genau so sieht es auch aus. Ich komme in das Zimmer und mich trifft der Backpacker-Schlag. 6 Hochbetten auf 20qm und die ‘Määääädchen’ mit ihren großen Rollkoffern. 120 l? Und dazu noch die Attitüde, sich nicht um Ordnung zu sorgen. Ich verurteile das nicht! Meine erste Wohnung sah nicht anders aus. Es passt nur nicht mehr in mein Weltbild. Und nach knapp 6 Monaten stelle ich nur noch fest und nehme es hin. Mit Humor und ganz viel Reflexion. Ich beschließe, dass ich jetzt nicht alles scheiße finde …hat mir bisher nichts gebracht. Ich steige über die Koffer und Klamotten. Ich nicke innerlich ab und suche mir eine freie Fläche. Den Kaugummi an meinem Bettgestell, genau neben meinem Kissen und die undefinierbaren Flecken auf der Matratze gegenüber (Das Laken wurde, wie man das so macht, von der Person für den Check Out abgezogen). Die Klimaanlage ist kaputt. Eine Minikakerlake kroch auch schon an meiner Wand hoch. Okay. Jetzt bleiben wir mal bei uns und überlegen, wie es hier weitergeht und wie es mir geht. Ich kann euch definitiv sagen: Hostels, wo das Wort Backpacker drin vorkommt – buche ich nicht mehr. Ich bin nicht Zielgruppe.

Wer ist Zielgruppe? Junge Menschen, die ein Work & Travel-Jahr in Australien machen und das ganz besonders an der Ostküste in der Nähe vom Strand. Am besten am Bondi Beach. Das muss man dem Hostel lassen …59,87 Sekunden und man ist am Strand. Junge und aufgekratzte Menschen, die abhängen, flirten und irgendwas reden. Ich weiß nach 5 Minuten in der Küche und im Garten, wer auf wen steht und wer hinterherhinkt, um gemocht zu werden. Es gibt immer eine Anführerin, die sich alles erlauben kann und die Ansagen macht. Ein Typ, auf den alle stehen. Gruppendynamiken. Highschool Is Never Over. Ich konnte, als ich noch ein twentysomething war, mit jedem etwas anfangen. Ich habe mich nie auf eine Seite gestellt. Ich habe mit denen abgehangen, mit denen ich wollte. Ob cool oder nicht. Was immer auch cool sein bedeutet?!

Die Küche ist ein Horror. Hier gehe ich nicht ins Detail. Ich habe jetzt 20 Küchen in 6 Monaten genutzt und ich weiß, was gut und akzeptabel ist. Das hier nicht. Und der Garten hat auch Potential. Aber die Gäste checken ein und aus. Wozu was aus der Bude machen. Und die Longterms (Das sind die Personen, die in den Hostels wohnen, weil sie einen Job vor Ort haben.) sehen das wahrscheinlich nicht mehr. Hauptsache billig wohnen. Auf den Toiletten klebt ein Schild, wo man dazu aufruft, hier zu arbeiten und dafür umsonst wohnen kann. Das machen auch drei Mädchen aus meinem Zimmer. Es gibt 4 Schichten: 1. Morgens Betten neu beziehen. Also Flecken aus der Nähe sehen. 2. Tagsüber saugen. Hat man da überhaupt Erfolg? 3. Abwaschen. Kommentar von einem Typ, der diese Schicht hatte und ich neben ihm stand: ‘Boah, ich bin mit zwei Tellern fertig und dann kommt schon der nächste.’ Ach, Hase! 4. Abendschicht: Um 22 Uhr alles schick machen, weil dann der Garten geschlossen wird. Nachtruhe. Also keine Party! Gott sei Dank. Ich frage eines der Mädchen, wie bezahlt wird. Eine Schicht = eine Nacht für umme wohnen. Bettpreis pro Nacht zwischen 25 und 35 EUR. 2 – 3h Arbeit. Fair.

Morgens bereitet ein sehr junger Typ in der Küche sein Surfbrett vor. So richtig Klischee. Dazwischen bissl flirten mit allen …Ich bekomme keine Beachtung mehr. Nicht fürs Flirten. Sondern generell. Ich bin eine ältere Person, die halt hier mal kurz wohnt. Ich saß mit einem Wrap eines Abends zufällig nah bei der Gruppe und das beliebte ‘Wie alt bist du?’-Spiel ging los. Das wird in jedem Hostel gespielt. 20, 19, 22, hihi *giggle* …26…du bist aber alt. hihi…Ich denke nur: 42! 

Ich dachte immer, die Jugend ist hart beschäftigt, aber ich habe dann beobachtet, dass sich alle 10 Minuten gefragt wird, was man heute so macht. Die hängen nur ab. Voll ok. Aber nicht alle haben gerade einen Job. Manche hängen einfach cool mit ihren neuen Freunden ab. Die Geschichten in den Büroküchen in den nächsten 15 Jahren stehen hiermit fest. Jonas: ‘Ach, damals am Bondi Beach hatte ich an dem einen Tag so eine geile Welle. Und diese eine Bar…boah was für geile Drinks. Und wie hieß nochmal dieser eine Song …ach ich komme jetzt nicht drauf! … Zeit meines Lebens!’

Ich beschließe das alles so hinzunehmen und nicht so stark in die Beurteilung und Fixierung zu gehen. Ich darf da nicht reinrutschen, um meine Jugend zu trauern. Was ich auf gar keinen Fall tue. Aber es ist schon eine krasser Kontrast dieser Hostelsituation. Ich gucke mich am überfüllten Bondi Beach um …Good Vibes Only. Boutiquen. Eisläden und alles hip und schick. Dazwischen die aufgespritzten Lippen und die Backpacker. Morgens gehen die Locals ins Meer und holen sich die Wellen. Fällt auf. Auch bevor die Sonne richtig zeckt! Und ab 12 Uhr geht der Tourismus los und die Locals aus der Z-Zone von Sydney. Massenwanderung. Sonne knallt. Lifeguards im Dauereinsatz. Anstatt ‚Nich in den ersten Wagen!!!!‚ sind es Ansagen, wie ‚Schwimmen, nich hier! ‚ Es gibt sogar eine Reality-Doku über die Helden am Strand – BondiRescue. Mittlerweile in der 18. Staffel. Dieser Strand ist ein Star. 

Ich versuche abends in Ruhe zu duschen. Geht nicht. Rihanna (Oldies!) schallert im Gemeinschaftsbad. Es wird sich fertig gemacht. Jeden Abend zwischen 19 und 20 Uhr geht’s los: Outfits werden aus den großen Koffern rausgezogen, Make Up, Deo, Parfüm …dazwischen wird gekichert und am Drink genippt, der auf dem Zimmer eigentlich verboten ist. Hihi! Ich habe nur zwei Folgen von GNTM geguckt. Aber so stelle ich mir die Villa vor, wenn gleich ein Shooting losgeht?! Oder eine Challenge ansteht?! Für mich ist das eine Welt, die ich nicht kenne. Diese Fokussierung auf ein Oberteil. Dass die süßen Mäuse alle wie ich in den 90er angezogen sind, verkneife ich mir laut zu sagen. Von zwei Mädchen, die aus Deutschland sind, werde ich anfangs gesiezt. Kann ich irgendwie rüberbringen, wie die Stimmung hier ist. Und das alles zwischen Bettgestellen aus den 90er Jahren, abgeranzten Regalen und dreckigen Wänden und Teppichen. Bei sich zu bleiben und sich von dem Außen nicht verrückt machen zu lassen ist Höchstleitung. Also für mich. Eine Mitbewohnerin (Longterm und die Anführerin!) dreht die provisorische Klimaanlage, die in unser Zimmer gestellt wurde, dann immer in ihre Richtung. Sowas schnallen die anderen immer gar nicht. Nicht mit mir! Na Hauptsache du hast eine kühle Nacht. Eine süße Maus aus NYC schläft ohne Laken (Denkt an die Flecken!!!!) und ihre Klamotten liegen überall rum. Berge von Klamotten. Chaos. Hölle für Monk. Aber auch für mich. Aber ich blende aus oder besser, mein Reich ist schick. Und ich kann mich zurücklehnen. Und nein, ich habe nicht angefangen alles aufzuräumen und sauber zu machen. 

Und jetzt noch drei Begegnungen, die ich nicht vergessen werde.

  1. Chloe*: Die Püppi aus Kanada, die mit mehr Klunkern geschmückt ist, als mein gesamtes BAföG wert ist. Ein hübsches Mädchen. Sie hat Humor und einen klugen Satz gesagt, als ihre Freundin sie fragte, ob sie jetzt noch ausgehen sollten: ‘Yes, that is part of the experience.’ Richtige Einstellung! Sie sind dann noch losgezogen. So clever, aber auch fern von der Realität. Hungern oder aufs Geld achten musste dieses schöne Wesen noch nicht. Aber Herz hat sie. Hier wäre ich gespannt, in welcher Büroküche sie in 15 Jahren steht.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass ich immer vor den Mädels ins Bett bin und nach ihnen aufgestanden bin! Das wurde auch kommentiert!

  1. Lizzy*: Es klopft und es kommt eine neue Mitbewohnerin rein. Oh, definitiv Ü40! Alkoholisiert. Ich rieche das und man bemerkt es auch an dem Verhalten. Darin bin ich Expertin. Eine aufgekratzte Nudel. Hat alles und jeden im Griff. Kommentiert alles und ist klug. Aber da steckt auch viel Vergangenheit mit drin. Sie erzählt mir das auch später unter vier Augen! Sie unterhält das ganze Zimmer und wir sind das Publikum und sitzen in der ersten Reihe. Ferienlagerstimmung! Die Kanadierin macht sich über sie lustig, als sie kurz den Raum verlässt und ich sage: Urteile nicht! Du weißt nicht, was wer wie und wann in seinem Leben erlebt hat und durchgemacht hat!  Die Kanadierin nickt und sagt leise: Stimmt!

Lizzy weckt mich nachts, weil ich schnarche. Haha! Lizzy kommentiert ungeniert, dass ich hier immer als erste schlafe und als letzte aufstehe! Ich kann das aushalten. Alles vor Publikum. Wir sind kurze Zeit unter uns und haben Spaß über die neue Generation und das Chaos hier im Hostel zu lästern. Tut gut! Ich kommentiere, dass alle hier meine Kinder sein könnten. Sie darauf: ‘Ich habe einen 11-jährigen Sohn, aber das ist nicht mein Ding. Beim Thema Schule und dem ganzen Kram bin ich ausgestiegen. Ich liebe ihn, aber er lebt jetzt bei seinem Vater!’ Boom! Ok. #RegrettingMotherhood ist es nicht, erzählt sie mir. Aber das ist einfach nicht ihr Ding. So sympathisch! Kann Lizzy bitte auf dem nächsten Panel irgendwo zu diesem Thema sprechen. Danke.

  1. Tiffany* aus UK. Ist auf Medikamenten. Trinkt keinen Alkohol und liegt nur flach im Bett. Ich flüstere ihr das Codewort: ‘Travel Fatigue.’ ins Ohr. Wir schlafen nebeneinander. Ich erkenne das sofort. Auch hier bin ich Expertin. Seit dieser Diagnose lächelt sie wieder und nimmt es hin und chillt. Gut so! Kann ich dir was Gutes tun? Ein Tee? Schokolade? Sie verlängert ihren Aufenthalt um 4 Nächte, um einfach zu liegen. Sie ist seit 4 Monaten unterwegs und erschöpft. Sie lacht schallend, als ich sage, dass ich jetzt 6 Monate Hostelleben hinter mir habe. Sie erst 4 und ist fix und fertig. 

  1. Lydia*: Oh je. Sie ist schon vor mir im Zimmer eingecheckt und sie ist eine Beobachterin. Still und will dazu gehören. Versucht bei der Anführerin, die auch in unserem Zimmer schläft, irgendwie gesehen zu werden. Wie kann man solchen Menschen klarmachen, dass das alles Bullshit ist! Es tut so weh, dabei zuzugucken. Sie macht sich an einem Abend für eine Party fertig und ist happy. Sie freut sich, mitgenommen zu werden. Ich empfehle ihr die adidas-Schuhe zum Outfit. Keine Sorge! Sie hat mich gefragt, welche Schuhe sie anziehen soll. Ich mische mich nicht (mehr) ungefragt bei der Jugend ein. An einem anderen Abend bietet ihr Chloe an, dass sie ja mitkommen kann. Sie ziehen gleich los. Lydia zögert und ich wundere mich. Ja, ich liege im Bett neben Tiffany und wir gucken uns immer gemeinsam das Spektakel ab 19 Uhr an. Ich will meine Zähne putzen und das Zimmer verlassen, aber Lydia guckt mich an und sagt ohne Einleitung zu mir: ‘Irgendwie glaube ich, dass die mich alle nicht mögen!’ Uff, scheiße! Wir waren alleine im Zimmer. Innerhalb von Millisekunden entscheide ich mir zu überlegen, was ich so einer lieben und jungen Person, die noch ihr ganz Leben vor sich hat und so verunsichert ist, sagen kann. Es wird etwas in diese Richtung: ‚Also, ich kann dir ganz sicher sagen, dass das nicht wahr ist. … Und das ist dein Problem, dass du so denkst! Niemand macht sich so Gedanken über dich! … Bist du denn aktiv in der Kommunikation? …Und bitte denke einmal darüber nach, ob das auch die Menschen sind, mit denen du deine Zeit verbringen willst?!’ Was denkt ihr? War das so ok und verträglich? Ich gratuliere ihr dann Tage später, als wir nochmal ein bisschen geredet haben, zu ihrer Ausbildung, die sie ab September startet. Gute Sache, so eine Ausbildung! Du machst das schon!

Ich habe mich für einen Surfkurs angemeldet und bin danach immer so erschöpft und ausgeglichen, dass ich die restlichen Tage auch in diesem Hostel schaffe. Einstellung und Ausgeglichenheit sind wichtig. Ich verlängere sogar und nehme noch eine dritte Surfstunde. Ich checke um 9 Uhr aus, um ab 10 nochmal mein Glück auf dem Brett am berühmten Bondi Beach zu versuchen. Das war so gut für mich. Nicht dieser klassische Reisetag: Auschecken. Transit. Einchecken. Dieses Mal: Auschecken. Surfen! Transit und dann in einem Hotelzimmer einchecken! Einzelzimmer. Eigenes Badezimmer. Ich werde drei Tage das Zimmer nicht verlassen! Es war ein Traum. Und nach diesem Hostel mehr als verdient!

*Namen geändert.