Ich werde hier nicht über den Überkonsum schreiben. Kauft euch glücklich. Nehmt Kredite auf. Packt noch etwas in den Warenkorb. Glaubt doch, dass ihr das auch noch braucht. Macht’s euch schön. Wirklich, ich meine das ganz ehrlich. Wenn das Gehalt gerade mal reicht, um deine Fixkosten zu decken. Urlaub nicht mehr möglich ist, dann suche dir woanders dein Glück. Dein Dopamin. Scrolle nochmal durch deine For-You-Page. Was haben die anderen, was du noch nicht hast? “You buy what you want to be”. Es ist ok. Du bist ok. Wir sind Opfer. Lease dir dein Auto. Kauf dir die Waschmaschine auf Raten und die neuen Birkenstocks sind so schick. Wühlt euch durch die SALE-Angebote in den Online-Shops und Apps. TikTok-Shop: knietief im Dispo. Weitermachen. Wenn ihr an der roten Ampel wartet, im Bus, an der Supermarktschlange und auf Klo. Klick. Ka-Ching! Klarna, PayPal auf Raten und die Rechnung von Otto.de erst in 100 Tage bezahlen – für nur 1,78 EUR mehr. Wieso nicht. Genau, wieso nicht. Haben. Wollen. Brauchen. Aber! Ich habe einen Einwand. Gebt euch Mühe. Wobei? Im Onlineshop könnt ihr ja nicht so viel Unordnung anrichten, aber in einem richtigen Ladengeschäft. Ist es die Gier, die Menschen so würdelos und respektlos handeln lässt? Ich bin auf dem Weg nach Hause und komme an dem ZARA am Ku’damm vorbei. Knackevoll. Immer. In den 90ern mal eine Boutique – jetzt PRIMARK, bloß mit mehr Beige? Alles ok. Kauft euch die aktuellsten Schnitte und Farben und reibt euch das Polyester unter die Achseln. Von mir aus. Aber warum hat man nicht den Anspruch, in einem Geschäft zu shoppen, wo es ordentlich ist. Ich muss an den Schaufenstern von ZARA vorbei. Es sind insgesamt 4 große Fenster. Ich traue meinen Augen nicht. Alles liegt auf dem Boden. Kreuz und Quer. Die von Kindern in Bangladesh im Akkord gefertigten Schuhe und Klamotten liegen in den Ecken. Es ist schwer hinzuschauen. Ich gucke mich um, ob das jemand auch so erkennt und als schlimm empfindet. Nein. Alles, was man nicht kaufen will, achtlos auf den Boden fallen lassen? Oder wie passiert das? Braucht ZARA mehr Personal? Oder ist das Verkaufsstrategie. Ja, genau. Outlet-Vibes. Wühltisch. Ausverkauf. Meine Chance. Das kann ich mir leisten? Kleider wie Müll liegen gelassen. Es ist so respektlos. Jede Person, die daran vorbeigeht und noch entspannt nach einem passenden Schnäppchen stöbern kann, scheint jedes Gespür für den Wert der Kleidung und die Achtung vor ihrer Herstellung und sich selbst verloren zu haben. Einfach traurig. Abstumpfung. Gleichgültigkeit. Entfremdung. Teilnahmslosigkeit. Sucht. Herzlichen Glückwunsch, willkommen in der Fast-Fashion-Hölle.