Ich will zum Sport. Kurz vor 17 Uhr. Ich laufe los. In meiner Gegend gibt es viele Hotels. Der Ku’damm ist in der Nähe. Also sind laute und billige Rollkoffer in den schlimmsten Farben immer ein Teil der Landschaft. Hürdenlauf. Vertieft sind wir alle. In unserer Welt. Unsere Bubble. Was interessiert uns schon, was außerhalb passiert. Es ist heiß. Ich überquere die Straße und sehe schon von Weitem ein Pärchen. Nicht zu übersehen: Bunt angezogen, Rollkoffer und so echte A4-Blätter in der Hand. Sie drehen sich im Kreis. Mehrmals. Passt auf euren Kreislauf auf, Boomer. Ich verliere sie schon fast aus meinem Augenwinkel. Mist, ich kann nicht anders. Ich habe noch genug Zeit und nehme meine Kopfhörer raus. Ich bleibe auf Abstand. Noch. ‘Kann ich Ihnen helfen?’ Sie verstehen kein Deutsch oder Englisch, aber ich muss sehr verständlich zu verstehen gegeben haben, dass ich helfen kann. Sie sind so erleichtert. Ihre Schultern entspannen sich. Sie lachen erschöpft und freuen sich so sehr. Richtig süß. Boomer können so süß sein. Sie zeigen mir gleich einen Zettel, wo eine Verkehrsverbindung zum nahegelegenen U-Bahnhof handschriftlich eingekreist ist. Ich frage, ob sie dahin müssen? Ja! Wir sprechen nicht dieselbe(n) Sprache(n). Aber Menschen können sich auch so verstehen. Ich zeige Ihnen, wo sie lang müssen. Dann wollte ich weiterlaufen und merke, dass sie unsicher sind. Ich sage und/oder gebe zu verstehen, dass ich sie bis dahin begleite. Liegt auf meinem Weg zum Training. Wieder Erleichterung. Sie reden, aber ich verstehe nichts. Ich frage, woher sie kommen. Argentinien! Dann überlege ich, ob es schlau ist, sie zum U-Bahnhof zu bringen. Sie wollen doch irgendwo einchecken, überlege ich. Ich bleibe stehen und frage, welches Hotel sie gebucht habe. Der Mann gibt mir zu verstehen, dass ich Geduld haben soll. Er ist größer als ich und legt seinen Rucksack ab und kramt nach einer Mappe voll mit ausgedruckten Papieren. Er zeigt auf einen Hotelname. Alles klar. Ich bringe euch genau dahin. Wir gehen wenige Meter und ich zeige auf ein großes Schild: Premium Inn! Sie strahlen und kommen aus dem Danke sagen nicht raus. Ist ja gut. Die Berliner sind einfach freundlich. Was habt ihr denn erwartet? Ich muss grinsen, weil mich diese Begegnung an meine Irrwege zu gebuchten Unterkünften erinnert. Hätten mich Menschen nicht einfach angesprochen, als ich mich mehrmals um mich selbst gedreht habe, als ich versucht habe die Navigation auf Google Maps auf meinem Smartphone zu interpretieren.