Muskel- und Faszientraining im Kolleg Schöneberg. Seit 9 Jahren immer das Gleiche. Die Truppe kennt sich. Die Übungen kann ich im Schlaf. Auch ok. Koordinationsübungen. Rolle vorwärts. Rolle rückwärts. All das, was man verlernt hat. Nicht mehr macht. Nicht mehr kann ohne sich etwas zu brechen oder zu prellen. Hier haben wir die Möglichkeit Sportunterricht nachzuholen. Jetzt wollen wir wieder alle mitmachen. Wir lernen laufen. Richtig laufen und rennen. Wie unser Körper angespannt ist, wenn wir wenige Meter sprinten sollen. Entspannt doch bitte euer Kiefer! Recht hat die Trainerin. Wie kommen unsere Füße auf. All das und auch ganz viel Faszienrollen mit harten Noppen für unser Oberschenkel. Der Igelball für die Fußsohle. Beine und Arme schwingen. Ich will es nicht missen. Ich brauche es. Auch zu Hause massiere ich meine Füße mit Massagebällen. An der Grenzkontrolle zu Japan wurde mein Gepäck akribisch durchsucht. Alles wurde rausgenommen und mehrmals gedreht und begutachtet. Dann kam die Frage, ob ich Tennis spiele. What?! Was soll denn diese Frage jetzt von einem Grenzbeamten in Osaka? Ich antworte verdutzt: Nein. Jetzt hatte ich ein Problem. Das sah ich dem 1,54 m großen Beamten an. Er hat einen Tennisball in der Hand und zeigt ihn mir. Okay, jetzt macht es Klick. Wie erkläre ich das jetzt am besten? Das ist mein Faszienball. Den habe ich 12 Monate immer bei mir gehabt. Damit habe ich meinen unteren Rücken, Nacken und Fußsohlen bearbeitet. Standardprozedur. Aber Tennis habe ich mit diesem Ball noch nie gespielt. Ich bitte ihn, mir den Ball zu geben. Er willigt ein. Ich halte den neonfarbenen Ball an meinen Rücken und Nacken und gebe zu verstehen, dass ich ihn zur Massage nutze. Was jetzt Faszientraining auf japanisch heißt weiß ich nun wirklich nicht und ich hatte auch nicht vor, dieses Wort nachzuschlagen. Er nickt und akzeptiert meine Erklärung. Dieser Ball wird ja auch keine Gefahr für Japan sein?! Man darf ja wohl noch einen Tennisball mit auf Reisen nehmen.
Seit der letzten Saison ist eine neue mit im Faszientraining in Schöneberg dabei. Mein Fall ist sie nicht. Nicht eine Minute möchte ich mit ihr alleine sein. Das weiß man manchmal einfach. Sie rettet Lebensmittel. Ist geschieden. Das habe ich mal mitbekommen. Ansonsten ist da nicht viel Austausch. Der Ablauf bei unserem Training ist immer gleich. Wir kommen in die alte Sporthalle und tragen uns in die Teilnehmerliste der Volkshochschule ein. Es gibt dann am Ende der Saison eine Teilnahmebestätigung per Post vom Land Berlin. Macht mich stolzer als die Teilnahmeurkunde der Bundesjugendspiele. Man tauscht sich kurz aus, ob es allen gut geht und was es Neues gibt. Wir sind ein wilder Mix. Unterschiedlicher kann man nicht sein, aber das ist ja das Schöne. Und jetzt die Neue. Sie baut jetzt vor dem Training immer ein Catering Buffet auf der Heizung in der Halle auf. Essen. Gerettetes Essen. Organisiert ist sie auch noch. Sie hat uns Tüten mitgebracht, wo wir die Lebensmittel sicher nach Hause bekommen. Brot. Gebäck. Produkte von der Marke Alnatura in Massen. Hafermilch, die in wenigen Tagen abgelaufen ist. Ich fühle mich schlecht. Es gibt genügend Menschen, die das nötiger haben als ich. Ich habe ein regelmäßiges Einkommen und kann mir mein Essen leisten. Ich frage die Retterin, ob sie das nicht woanders verteilen will. Sie betont sehr klar, dass es völlig ok sei hier zuzuschlagen. Kein schlechtes Gewissen. Sie versorge genug andere Menschen. Wir sollen es mitnehmen und retten. Ok, überzeugt. Was haben wir denn heute? Avocados. Die müssen heute gegessen werden. Croissants in verschiedenen Varianten aus einer französischen Bäckerei. Die Spender darf sie nicht verraten. Wir machen uns die Tüten voll und bedanken uns. Jetzt wird sich aber um unseren Körper gekümmert. Erstmal warm machen. Im Kreis nach 90er Mucke von einer CD die Hüften kreisen und später werde ich genüsslich in ein kalorienreiches Gebäckstück beißen, was ich vor der Tonne gerettet habe. Ich tue Gutes!